Das "Wunschzettelverfahren"

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Im Winter 2004/05 begann eine Gruppe im intakt e.V., dieses Verfahren zur Selbstmotivation anzuwenden. Angeregt wurde es durch eine Sozialarbeiterin, die mehrere Wochen lang die Gruppe begleitete.

Es funktioniert etwa wie die guten Vorsätze an Silvester, nur wird mehr für die Verwirklichung getan:
Jedes teilnehmende Mitglied füllt eine Karte aus. Ausgangspunkt ist der eigene Wunsch, das Leben zu verbessern; zu ihm denkt man sich konkrete Ziele aus, mit denen er erreicht werden kann. Nun kommt noch ein Zeitpunkt dazu, bis wann man welches Ziel erfüllt haben will.
Die Karten werden eingesammelt, aus ihnen wird eine Tabelle erstellt, kopiert und an alle Teilnehmer verteilt. Nun können alle sehen, wer bis wann was erreicht haben möchte. Sobald ein Datum gekommen ist, das in der Tabelle steht, können alle Teilnehmer überprüfen, ob man seine Vorsätze verwirklicht hat. Wenn ja, erzählt man von seinen Erfahrungen dabei. Wenn nein, kann man in der Gruppe darüber diskutieren, warum es nicht geklappt hat, welche Probleme aufgetaucht sind und wie man diese bewältigen kann.


Nach Auskunft der Gruppe wurden fast alle Vorsätze eingehalten. Auch das Gruppenleben wurde durch diese Aktionen bereichert - z.B. ein Spieleabend und das Frühstück, die inzwischen etabliert sind. Ein Teilnehmer relativierte seine Erfolge: "Ich konnte meine Ziele erreichen, aber war eh schon auf dem Weg".
Die Gruppe berichtet auch von einer Teilnehmerin, bei der es anders war. Sie war bis dahin eher zurückgezogen und hatte auf ihre Karte geschrieben, "ich möchte mich mehr am Gruppenleben beteiligen". Bei einem der nächsten Treffen konnte man ihr die Mühe mit dem Ziel ansehen - mit einiger Anstrengung, aber mit Erfolg, brachte sie sich in die Gespräche ein.

Mir kamen bei der Vorstellung dieses Verfahrens Fragen, ob es selbst auch Ängste und Veremeidungsverhalten auslöst. Ein Gruppenmitglied, das nicht teilnahm, war tatsächlich froh, dass es an dem Abend nicht dabei war und deshalb keine Karte ausfüllen konnte. Die Frage, ob Teilnehmer ihre Ziele absichtlich zu klein gesetzt haben, um dem Verwirklichungsdruck auszuweichen, wurde von der Gruppe so beantwortet: Die Ziele sollen erreichbar sein, daher können sie auch kleiner sein. Es geht darum, sich ein Erfolgserlebnis zu verschaffen, dafür sollte das Ziel geeignet sein.
Hier wird wie bei jedem Therapieverfahren deutlich, wie wichtig der eigene Wunsch zur Veränderung ist.

Insgesamt wird das Verfahren von der Gruppe jedoch positiv bewertet. "Ein gewisser Druck ist schon gut." Ich denke, es liegt auch daran, dass der Druck hier nicht von oben, sondern von gleichberechtigten Gruppenpartnern (und sich selbst!) ausgeht; von Leuten, die ebenfalls einen Vorsatz haben und die den selben Druck kennen.

Julian / Braunschweig
zuerst erschienen im
intakt-Rundbrief 2/05.