Die Gruppenzwiebel und ihre Folgen
Diese Überschrift ist zwar etwas irritierend. (Mir würden dazu auch nur die englischen Worte "union" und "onion" einfallen.) Doch ich meine eher, daß sich auch eine Gruppe aus inneren und äußeren Schalen zusammensetzt.
Schon länger habe ich das in meiner eigenen Gruppe beobachtet. Der Anteil der "Teilzeiter" - Leute, die nicht jede Sitzung besuchen - ist bei den Schüchternen in Braunschweig unverändert hoch. Dazu kommen weitere Mitglieder, die aus verschiedenen Gründen der Gruppe verbunden sind, obwohl sie nicht zu den Treffen kommen:
- weil ihnen der Gesprächskreis nichts mehr bringt
- weil sie beruflich keine Zeit haben, abends zu kommen
- oder weil sie weggezogen sind. Mitglieder, die ich vermisse, leben inzwischen von Augsburg bis Nordnorwegen.
Jede der drei Zwiebelschalen stellt etwa ein Drittel der Gruppenmitglieder.
Ich habe längst gelernt, das nicht mehr als Belastung zu sehen. Man muß nur halt drauf achten, wer gerade da ist und was man mit den Anwesenden machen kann. Nur manchmal ist es ein Problem: wenn alle Teilzeiter gleichzeitig nicht kommen (hatten wir gerade beim Kälteeinbruch).
Doch eine Frage läßt sich nicht ausräumen: "Es stehen 14 Leute auf der Adressenliste, wie können dann nur 4 heut abend da sein?
Diese Frage war für mich Anlaß, die Liste neu zu sortieren. Ich habe die neueste Auflage in zwei Rubriken geteilt: "Mitglieder im Gesprächskreis" und "Weitere Mitglieder und 'Dabeigebliebene". Zufällig erhielt ich so gleich eine neue Sicht auf die Gruppe: die Zwiebelstruktur wurde mir bewußt.
Die Gruppe ist mehr als der Gesprächskreis. Sie ist darüber hinaus ein Netzwerk von Freundeskreisen, Freizeitaktionen und ähnlichem. Ein Angebot der Gruppe - die Freunde finden, die man immer haben wollte - wird auf diese Art verwirklicht.
Es bilden sich weitere Hilfsangebote, die die Möglichkeiten des Gesprächskreises erweitern. Vor kurzem hatten wir es, daß einem von uns ein Problem schwer auf dem Magen lag. Er bekam im Gesprächskreis ein Hilfsangebot: "Du kommst zu mir, und dann suchen wir im Internet das Passende raus." Soweit ich erfahren habe, war diese Suche auch erfolg- und hilfreich.
An die Gruppenleitung stellt das natürlich den Anspruch, die Gruppe nicht in Teile zerfallen zu lassen. Aber das ist möglich. Auch der intakt-Rundbrief, der an alle verteilt (oder per Post versandt) wird, trägt zur Gesamtgruppen-Kommunikation bei.
Natürlich ist der Gesprächskreis das Zentrum. Er ist ja der feste Termin, zu dem neue Mitglieder als erste kommen. Doch die Gruppe ist eben mehr.
Julian / Braunschweig
zuerst erschienen im intakt-Rundbrief 1/06


