Pro und Contra reine Sozialphobiegruppe - Angstgruppe

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Eine Suche im Internet nach Selbsthilfegruppen (SHGs) zum Thema Soziale Phobie zeigt, dass es viele SHGs allgemein zum Thema "Angst" gibt. Auch Kombinationen wie "Angst und Depressionen" oder sogar Titel wie "psychische Leiden" sind nicht selten.

 


So kann der Eindruck entstehen, dass im psychischen Bereich viel weniger Unterschiede gemacht werden als im körperlichen. Vermutlich käme wohl niemand auf die Idee, z.B. eine SHG "Baucherkrankungen" anzubieten. Bei körperlichen Leiden ist es ganz selbstverständlich, genauer zu unterscheiden.

Weshalb ist dies im psychischen Bereich anscheinend oft nicht so? Liegt es vielleicht daran, dass in der Bevölkerung das Wissen um die Unterschiede psychischer Problemfelder (z.B. die verschiedenen Angststörungen, Zwänge, Depressionen) nicht sehr groß ist?


Wenn jemand eine SHG zum Thema Soziale Phobie sucht, muss er sich möglicherweise mit der Frage auseinandersetzen, ob er lieber in eine solche spezielle Gruppe geht oder in eine allgemeine zum Thema Angst.


Obwohl natürlich jede Selbsthilfegruppe unterschiedlich ist und stark von den einzelnen Teilnehmern geprägt wird, möchten wir hier einmal der Frage nachgehen, welche Vorteile beide Arten von Gruppen jeweils für einen Sozialphobiker haben können.


Argumente für eine SHG allgemein zum Thema Angst:

Weil die Mitglieder einer solchen Gruppe sich in ihrer Problematik deutlicher unterscheiden, kann der Bereich "Angst" aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden. Dies hat den Vorteil, dass Betroffene sich nicht gegenseitig im gleichen Leid bestätigen und (in ungünstigen Fällen) fixieren. Jede/r erlebt die eigene Angst individuell anders. Es bleibt aber trotzdem eine Solidarität über das Grundthema Angst bestehen. Unterschiedliche Lösungsansätze kommen zusammen, und es ist leichter zu erkennen, dass sie dem eigenen Problemfeld aktiv anzupassen sind.

Außerdem sind Betroffene in ihrer Problematik häufig auch nicht nur einem Angst-Thema zuzuordnen. Oft hat jemand z.B. neben sozialphobischen Ängsten auch agoraphobische oder andere. Hierfür ist in einer derart gemischten Gruppe Platz.

Weiterhin ist es wahrscheinlicher - gerade im ländlichen Bereich und in kleineren Städten - dass die Gruppe überhaupt die erforderliche TeilnehmerInnenzahl erreicht, weil sich mehr Betroffene angesprochen fühlen. Hier ist es also u.U. besser, eine eher unspezifische Gruppe zum Thema Angst zu haben, als ganz auf die Unterstützung durch eine Selbsthilfegruppe verzichten zu müssen.


Was spricht für eine spezielle Sozialphobie- Selbsthilfegruppe?

Eine Sozialphobie-SHG kann sich ausführlicher mit den Auslösern und Inhalten der Sozialen Phobie befassen. Alle haben das gleiche Thema und können sich dadurch schneller austauschen und leichter in den anderen einfühlen. Man kann den "inneren Angst- Dialog" besser verstehen, den wohl jeder Betroffene nur zu gut kennt: das gedankliche Hin- und Herwälzen von Situationen, die Gefühle von Abwertung, Scham und Minderwertigkeit auslösen.


In einer allgemeinen Angst-Gruppe ist so ein tieferes Verständnis schwieriger, weil nicht-sozialphobische Menschen diese inneren Dialoge kaum nachvollziehen können. Die "Schnittmengen" zwischen den Betroffenen sind dort kleiner. Deshalb ist es wahrscheinlicher, dass man sich in einer allgemeinen Angst- SHG auf allgemeine Konzepte im Umgang mit Angst im Alltag konzentriert, also weiter gefasste verhaltenstherapeutische Strategien, die Angst zu bewältigen und ihr nicht völlig das Steuer zu überlassen (was natürlich bei jeder Angststörung wichtig ist zu lernen).


Zu geringe Teilnehmerzahlen sind letztlich ein ganz einfaches Argument für allgemeinere Gruppen. In Paderborn (ca. 140.000 Einwohner) mit einem Einzugsgebiet unserer Gruppe von ca. 50 km im Umkreis machen wir die Erfahrung, dass jederzeit genügend Interessierte und Teilnehmer vorhanden sind für unsere sozialphobie-spezifische Gruppe.

Natürlich favorisieren wir als VSSPS spezielle SP-Gruppen, wollen aber hier mit einem Pro und Contra für beide Gruppen-Typen eine Diskussion anregen. 


Dieser Text stammt aus dem
Infomedium-Selbsthilfe-Soziale Phobie Ausgabe 2.